Deutsche Altpfadfinder am Schönberger Strand

Probsteier Herold
Geschrieben von Iris Büchler
Sonntag, 18. Oktober 2015
Besonders viel Gemeinschaftsgefühl lag am vergangenen Wochenende in der Probsteier Luft. Denn im „Haus Felsenburg“ am Schönberger Strand trafen sich drei Tage lang rund 80 Delegierte und Gäste aus der gesamten Bundesrepublik zur 22. Generalversammlung des „Verbands Deutscher Altpfadfindergilden“ (VDAPG). Das Motto der Teilnehmer-„Familie“ im Alter zwischen Mitte 30 und Ende 80 lautet: „Einmal Pfadfinder – immer Pfadfinder!“
Gruppenbild 22. Generalversammlung

Gemeinschaftsgefühl am Schönberger Strand: Rund 80 Teilnehmer trafen sich am vergangenen Wochenende zur Generalversammlung des Verbands Deutscher Altpfadfindergilden. Foto: Büchler

 

„Wer in der Jugend bei den Pfadfindern war, erfährt dort eine Prägung für das gesamte Leben“, sind sich der VDAPG-Vorsitzende Helmut Reitberger und seine Stellvertreterin Cathrin Stange einig. Denn die zehn Pfadfinderregeln seien ein wichtiger Orientierungsrahmen, der die Gestaltung des Lebens begleite. Diese lauten zum Beispiel „Ich bin bereit, in der und für die Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen und Pflichten zu tragen“, „Ich will zuverlässig sein und zu meinem Wort stehen“, „Ich will hilfsbereit sein und für andere eintreten“ und „Ich will offen für neue Wege sein“. Diese und weitere Grundsätze wie Umwelt- und Naturschutz, Rücksichtnahme und bewusste Lebensführung haben die meisten der Altpfadfinder bereits von klein auf verinnerlicht.

„Gerade heute ist dies wichtig, denn viele Kinder und Jugendliche sind durch die Medienwelt fremdbestimmt. Durch die Übernahme von Verantwortung werden Selbstwahrnehmung und Selbstbewusstsein gefördert, indem man sich immer wieder neuen Herausforderungen stellt“, betont der Ehrenamtler, der seit 2010 an der Spitze des Verbandes steht, und fährt fort: „Jeder Pfadfinder und Altpfadfinder versucht, diese Regeln für sich ganz persönlich umzusetzen.“

Wer den Begriff Altpfadfinder ausschließlich mit dem Schwelgen in alten Zeiten verbindet, der liegt falsch. Denn die Vereinsmitglieder unterstützen die Jugendorganisation der Pfadfinder, engagieren sich in nationalen und internationalen Sozialprojekten, nehmen an kulturellen Begegnungstreffen im In- und Ausland teil und sorgen damit für eine aktive Persönlichkeitsentwicklung auch jenseits der Lebensmitte. „Begegnung und Austausch ist uns wichtig, auch international“, so Cathrin Stange. Die beiden Vorstandmitglieder betonen außerdem das zivilgesellschaftliche Engagement der Altpfadfinder: „Ganz aktuell ist hier die Hilfe für Flüchtlinge zu nennen, das reicht von der Kleidersammlung bis zum Sprachunterricht.“ Dazu gehörten aber auch Bildungs- und Arbeitsprojekte in den Herkunftsländern. So könne direkt vor Ort etwas bewirkt werden. Reitberger: „Damit leistet unser Verband genau das, was viele Politiker angesichts des derzeitigen Flüchtlingsstromes fordern: Präventionsarbeit.“

„In unserer Vorstandsarbeit haben wir großen Freiraum und können neuen Impulse geben, das finde ich sehr reizvoll“, erzählt der ehemalige Sonderpädagoge im Ruhestand, der den Pfadfindern mit 13 Jahren und damit erst relativ spät beitrat. Der Vorstand erhalte viel positive Rückmeldung, „das gibt Energie!“ Dem stimmt auch seine Stellvertreterin zu. Cathrin Stange kam ebenfalls mit 13 zu den Pfadfindern und hat seitdem zahlreiche leitende Funktionen auf Landes- und Bundesebene übernommen. „Ich habe dabei sehr viel gelernt und möchte die Zeit und die Erfahrungen auf keinen Fall missen!“, so die Hamburgerin, die hauptberuflich als technische Expertin für eine große Schiffsklassifikationsgesellschaft tätig ist.

Geprägt wurde das Treffen am Schönberger Strand laut Stange und Reitberger nicht nur durch die gute Stimmung innerhalb der Gruppe, sondern auch durch die besondere Gastlichkeit des Hauses. „Der Standard im ‘Haus Felsenburg‘ ist wirklich außergewöhnlich, wir werden hier bestens betreut und den Aufenthalt in positiver Erinnerung behalten!“ Einige Teilnehmer des Treffens hätten ihren Aufenthalt sogar spontan verlängert.

Auf dem Programm des alle drei Jahre stattfindenden Gildetreffens standen neben der Vorstandswahl auch mehrere Arbeitskreise, die internationale soziale Projekte und andere Zukunftsprojekte zum Thema haben. Außerdem wurde den Teilnehmern ein Kulturprogramm in der näheren Umgebung angeboten, so zum Beispiel eine Fahrt nach Laboe und ein Besuch des Probstei Museums in Schönberg. „Neben der Tagesordnung ist natürlich die Begegnung wichtig“, hebt Stange hervor. „Alles ist sehr familiär, gestern Abend zum Beispiel haben wir bis 23 Uhr zusammengesessen und gesungen. So ein Treffen mit anderen Pfadfindern – egal wo auf der Welt – ist immer, als ob man nach Hause kommt!“

 

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