Grauen und Hoffnung – 28. Treffen der Region West in Verdun

Es ist eine liebliche Landschaft in welcher sich Verdun an den Ufern der Maas ausbreitet. Weite Felder, Anhöhen mit dichten Wäldern, blühende Dörfer. Bei dem strahlenden Herbstwetter ging den 32 Teilnehmern des Treffens das Herz auf. Bis während einer Führung über das Schlachtfeld des ersten Weltkrieges insbesondere die Zeugnisse der sinnlosen Stellungskämpfe, die in dieser Landschaft heute verborgen sind, zum Vorschein brachte. An die 300.000 Menschen (geschätzte 6.000 pro Tag) fielen oder wurden schwer verwundet während der Periode dieses Stellungskrieges (vom 21.Juni 07.52 Uhr bis 20. November 1916). Blühende Ortschaften (Beaumont-en verdunois, Bezonvaux, Haumont-Prés-Samogneux, Louvemont Cote-du-Poivre, Ornes, Douaumont, Vaux-devant-Damloup, Fleury-devant-Douaumont und Cumiéres-le Mort-Homme) verschwanden von der Erdoberfläche, heute erinnern nur Mahnmale an ihre Existenz. Hügel verloren durch ununterbrochenen Artillerie- und Minenbeschuß mit geschätzten 50 Millionen Granaten bis zu 10 Meter Höhe. Sie lösten sich sprichwörtlich in Staub auf, der durch das Verkrümeln der Erdbrocken entstand und dann vom Winde verweht wurde. In diesem Krieg wurde auch zum ersten Mal Giftgas eingesetzt was die Grausamkeit des Geschehens noch erhöhte.
Diese grausigen Erinnerungen wurden jedoch durch den am Vortag erfolgten Besuch des historischen Wohnhauses eines der Väter des heute Vereinten Europas, Robert Schuman, durch die Hoffnung gemildert, dass diese, sowie die Massaker des Zweiten Weltkrieges, nicht umsonst gewesen waren. –

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Freitag, 26. September.

Robert Schuman Haus in Scy-Chazelles. Robert Schuman wurde in Luxemburg am 29. Juni 1889 in Clausen, einem Vorort der Stadt Luxemburg, geboren. Sein Vater war Lothringer, seine Mutter Luxemburgerin. und kann als typischer Grenzbewohner bezeichnet werden, der sein Leben zwischen den durch den Begriff „Erbfeindschaft“ „verbundenen“ Großmächten Deutschland und Frankreich verbrachte. Außerdem kann er als echter Europäer gelten: seine Muttersprache war Luxemburgisch, in Luxemburg besuchte er Schule und Gymnasium, im Ersten Weltkrieg war er in der deutschen Verwaltung tätig, nach der Abtrennung Lothringens wurde er Franzose, im Zweiten Weltkrieg schloss er sich der französischen Résistance an; als französischer Außenminister setzte er sich für die Aussöhnung mit Deutschland und die deutsch-französische Freundschaft ein. Schuman war Ministerpräsident von Frankreich und bereitete als französischer Außenminister die Montanunion vor (Schuman-Plan). Später war er Präsident des Europäischen Parlaments. Er gilt zusammen mit Jean Monnet als Gründervater der Europäischen Union. Der Schreibtisch an dem er die Vorschläge Jean Monnets überarbeitete die er am 9. Mai 1950 im Außenministerium in Paris in einer historischen Rede als die Grundlage für die Neukonstitution Europas vorstellte, gilt als der Platz, an dem die Europäische Union entstand. Am 18. April 1951 wurde der Montanvertrag in Paris unterzeichnet.

Schumann war ein sehr bescheidener Mensch, sehr gläubig, und lebte in dem heute als Museum im originalen Zustand erhaltenen Haus in Scy-Chazelles in der Nähe von Metz. Die Einrichtung kann man als mönchisch bezeichnen, schlichte Möbel, bescheidene Ausstattung. Dort lebte er bis zu seinem Tode am 4. September 1963. Sein Grab befindet sich in der neben dem Haus gelegenen Kapelle.

Weiter nach Verdun entlang der „Voie Sacrée“, der einzigen Verbindung der von den Deutschen fast ganz umschlossenen Stadt Verdun mit der Außenwelt. Im Sommer des Jahres 1916 wurden jede Woche 90.000 Menschen und 50.000 Tonnen Munition, Versorgungsgüter und Ausrüstungsgegenstände auf ihr an die Front vor Verdun gebracht. Teilweise wurden bis zu 9000 Lkw täglich eingesetzt, die auf dem Hinweg Nachschub und Truppen transportierten und auf dem Rückweg Verwundete mitnahmen. –

Spätnachmittags Quartierbezug im spartanisch, aber mit allen modernen Schikanen ausgestatteten Ibis Budget in einem Gewerbeviertel in der Umgebung von Verdun.

Alsdann Abendessen im nahe gelegenen Restaurant „Poivre Rouge“ – Roter Pfeffer – wo uns ein separater Raum zur Verfügung stand in welchem Karl Scherer uns die europäischen Bündniskonstellationen seit 1870, die eine verhängnisvolle Rolle in der Vorgeschichte des 1. Weltkrieges gespielt haben, letztere selbst und die 1. Kriegsphase, die mit Verdun 1916 ihren Höhepunkt erreichte, skizzierte. Wir sollten deren beeindruckende Denkmale am nächsten Tag erleben. –

Samstag, 27. September.

Punkt 09.00 Uhr stand unser Bus bereit um uns zum Touristenbüro der Stadt Verdun zu führen, wo unser Führer, Herr Uwe Lewerenz, auf uns wartete. Herr Lewerenz ist Deutscher, seit Jahren in Verdun ansässig und profunder Kenner der Schlacht. Er führte uns mit viel Detailkenntnis und interessanten Kommentaren zu den Brennpunkten der grausamen Kämpfe.

Als erstes erreichen wir den sogenannten Bajonettgraben. Nach dem Krieg wurde östlich einer kleinen Schlucht am Thiaumont, die Ravin de la Dame genannt wird, ein Graben entdeckt, aus dem die Spitzen aufgepflanzter Bajonette von Soldaten herausragten. Untersuchungen ergaben, dass die Soldaten tatsächlich noch Kontakt zu
ihren Gewehren hatten. In den 30er Jahren wurde eine Legende aufgebaut, dass diese Soldaten des 137. französischen Infanterieregimentes während Angriffsvorbereitungen auf das Zwischenwerk Thiaumont durch eine Granate verschüttet worden seien. Die Aussagen des Obersten der 3. Kompanie, der die Soldaten angehörten, ergab ein völlig anderes Bild: die Soldaten waren während eines deutschen Vorstoßes am Morgen des 13. Juni 1916 gefallen und in ihrem Graben liegen geblieben. Die Deutschen beerdigten sie (sie schütteten den Graben zu) und ihre Gewehre dienten als Kreuze. Eine Exhumierung 1920 bestätigte seine Erklärung: keine der sieben Leichen stand aufrecht, vier konnten nicht identifiziert werden

Weiter zum Ossuaire de Douaumont (Beinhaus von Douaumont). Dieses wurde bereits kurz nach Ende des wurde Krieges als würdiger Aufbahrungsort für die unzähligen, nicht identifizierbaren Gefallenen der Verdun-Schlacht geplant und nach Fertigstellung im August 1932 eingeweiht. Im Inneren des 137 m langen Gebäudes, unter einem Tonnengewölbe, befinden sich Gräber unbekannter Soldaten von allen Teilen des Schlachtfeldes von Verdun, Gedenksteine und Grabplatten für gefallene Franzosen, deren Namen bekannt sind, sowie eine Kapelle. Die Gebeine von etwa 130 000 unbekannten Soldaten sind hier in 46 Kammern bestattet. An der Außenseite des Bauwerkes befinden sich unter anderem die Wappen aller Städte, die Geld zum Bau des Ossuaire beisteuerten. Gegenüber dem Ossuaire befindet sich ein französischer Militärfriedhof, auf dem 16 000 Soldaten bestattet sind.

1984 wurden Beinhaus und Friedhof als Ort für eine symbolische deutsch-französische Versöhnung genutzt, als sich der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl und Frankreichs Präsident François Mitterrand gleichsam »über dem Schlachtfeld« die Hände reichten. Zur Erinnerung an dieses Treffen wurde vor dem Beinhaus eine Gedenkplatte installiert. Sie trägt folgende Inschrift:

Auf diesem französischen Soldatenfriedhof trafen sich am 22. September 1984 zum ersten Mal in der Geschichte der beiden Völker der französische Staatspräsident und der deutsche Bundeskanzler. Sie legten im gemeinsamen Gedenken an die Toten beider Weltkriege Kränze nieder und erklärten:
„Wir haben uns versöhnt. Wir haben uns verständigt. Wir sind Freunde geworden.“
François Mitterrand und Helmut Kohl

Gleich in der Nähe dann das eigentliche Fort Douaumont, das größte und stärkste Außenwerk der französischen Festung Verdun und im Ersten Weltkrieg in der Schlacht von Verdun schwer umkämpft. Das Fort war Teil der äußeren Verteidigungslinie der Festung aus dem 19. Jahrhundert, die aus elf Forts und 23 Zwischenwerken bestand. Es diente später dem Militäringenieur Maginot als Vorbild für die Maginot-Linie.

Douaumont wechselte im Verlauf der Schlacht mehrmals den Besitzer. Am 25. Februar 1916 durchbrachen die deutschen Truppen überraschend die französischen Linien nördlich des Douaumont, so dass am Abend das nur spärlich bemannte Fort fast im Handstreich von deutschen Truppen eingenommen werden konnte. Einer der Verteidiger war der Offizier Charles de Gaulle, der schwer verwundet in deutsche Gefangenschaft geriet. Für die Franzosen besaß das Fort einen hohen ideellen Wert, weshalb sie zahlreiche Versuche unternahmen, es zurückzuerobern.

Im frühen Morgengrauen des 8. Mai 1916 kamen bei der Explosion eines Granaten- und Flammenwerfer Depots mehrere Hundert deutsche Soldaten ums Leben. Aus Zeitgründen wurden 679 von ihnen innerhalb des Forts an Ort und Stelle in die im Innenhof des Forts gelegene Munitionskasematte I gebracht und deren Eingang zugemauert. Das Kreuz steht heute vor dem zugemauerten Ausgang zum zwischenzeitlich verschütteten Innenhof. Die Kasematte befindet sich etwa 20 Meter dahinter. An diesem Ort, dem so genannten „Deutschen Friedhof“. entzündete Hannes Enzinger eine Kerze des Friedenslichtes aus Betlehem.

Am 24. Oktober 1916 gelang dann den französischen Truppen mit einer Großoffensive auf breiter Front die Einnahme des Forts de Douaumont. Schätzungen zufolge trafen im Ersten Weltkrieg 400.000 Granaten das Fort darunter auch dessen innerer Kern, d.h. die Untergeschosse, die diese vorher für unmöglich gehaltene Beschießung aber weitgehend unbeschädigt überstanden hat. –

Zur Erholung ein ausgezeichnetes Mittagessen in der Hostellerie du „Coq Hardi“ – Verwegener Hahn – in der Mitte des hübschen Städtchens Verdun, vom lateinischen Virodunum. Verdun ist seit dem 4. Jahrhundert Bischofssitz. Die Stadt gehörte nach der Teilung des Frankenreiches im Vertrag von Verdun (843) zum Mittelreich Kaiser Lothars I. (=Lotharingien); bei der endgültigen Aufteilung des Mittelreiches im Vertrag von Ribemont fiel es an das ostfränkische Reich Ludwigs III., aus dem das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hervorging. Bei diesem verblieb Verdun bis sich Kurfürst Moritz von Sachsen und die evangelische Fürstenopposition gegen Kaiser Karl V. sich 1552 mit König Heinrich II. von Frankreich verbündeten und diesem im Vertrag von Chambord das Reichsvikariat über Toul, Metz und Verdun zugestanden, wozu sie reichsrechtlich nicht befugt waren. Aus diesem Vikariat wurde Gewohnheitsrecht. Eine rechtlich gültige Besitzbestätigung erhielt Frank reich endgültig erst 1648 im westfälischen Frieden.

Die Schlacht um Verdun dauerte vom Februar bis zum Dezember 1916. Sie ging auf einen Plan des deutschen Generalstabschefs Erich von Falkenhayn zurück. Der massive Angriff auf den Angelpunkt der französischen Verteidigung sollte den Gegner binden und damit andere Frontabschnitte entlasten. Falkenhayn beabsichtigte ein „Ausbluten“ der französischen Armee. Der deutsche Vorstoß kam auf dem rechten Maasufer im Trichterfeld zwischen der zerstörten Ortschaft Fleury, der Feste Souville und der Souvillenase zum Stehen. 170.000 französische und 150.000 deutsche Soldaten kamen während der knapp ein Jahr währenden Schlacht ums Leben. Verdun wurde so zum Sinnbild der Schrecken des modernen Krieges, in dem die Soldaten zu „Kanonenfutter“ degradiert werden. Heute ist es die Kathedrale mit dem Weltfriedenszentrum im Bischofspalast. –

Nachmittags zu den heiß umkämpften Gefechtsfeldern Mort Homme – Toter Mann und Höhe 304. Ohne Rücksicht wurden in diesen Abschnitten Menschen zu Tausenden sinnlos geopfert. Waren Stellungen eingenommen, mussten sie gegen den unvermeidlichen Gegenangriff ausgebaut und geschützt werden. Für die Infanteristen war es jedoch äußerst schwierig, einen Graben auszuheben, da neben dem ständigen Granatenbeschuss tagsüber auch zahlreiche feindliche Scharfschützen aktiv waren, während die Erde in dem kalten April 1916 nachts gefror. Der Kampf um die Höhe Toter Mann und Höhe 304 sind zum Zeichen eines völlig entmenschlichten Krieges geworden: die Soldaten fielen den einschlagenden Granaten zum Opfer, ohne auch nur einen Feind gesehen zu haben. Der vom 9. bis 14. April am „Toten Mann“ in Stellung liegende französische Hauptmann Augustin Cochin vom 146. Infanterieregiment sah in der ganzen Zeit in den ersten Linien keinen einzigen angreifenden deutschen Soldaten. Er beschrieb diese Hölle so:

„Die letzten zwei Tage in eisigem Schlamm, unter furchtbarem Artilleriefeuer, mit keiner anderen Deckung als der Enge des Grabens… Natürlich hat der boche nicht angegriffen, das wäre auch zu dumm gewesen… Ergebnis: Ich bin hier mit 175 Mann angekommen und mit 34 zurückgekehrt, von denen einige halb verrückt geworden sind…. Sie antworteten nicht mehr, wenn ich sie ansprach.“

Nach nur vier Tagen blieb auch der neueste deutsche Angriff stecken, diesmal auch aufgrund des strömenden Regens, der fast durchgehend bis zum Ende des Monats anhielt und eine Einschränkung der Offensivbemühungen beider Seiten erforderte.

Ausschlaggebend für das Halten der französischen Front war weiterhin das von Pétain eingeführte System der raschen Ablösung der kämpfenden Divisionen nach einem kurzen Fronteinsatz und ihre Verlegung in Reservestellungen und andere Frontabschnitte: Die kurzen Kampfzeiten vor Verdun verringerten spürbar die Ausfallraten der Truppen und stärkten somit deren Moral und den Widerstandsgeist. Insgesamt kämpften bis zum Ende des Krieges 259 der 330 französischen Infanteriedivisionen irgendwann mehr oder weniger lange vor Verdun.

Amerikanisches Ehrenmal von Montfaucon. Eine massive, 58 m hohe Säule im dorischen Stil, gekrönt von einer Freiheitstatue. Sie blickt auf die Frontlinie der 1. US-Armee wo während der Offensive vom 26. September 1918 28.000 junge Amerikaner kämpften.

Amerikanischen Friedhof Romagne-sous-Montfaucon. Die 1. Armee der USA verlor zwischen dem 26. September und dem 11. November 1918, also kurz vor Kriegsende, zehntausende von Soldaten. Auf dem Friedhof von Romagne-sous-Montfaucon wurden 14.246 Soldaten begraben. Dieser 52 Hektar große Friedhof wurde am 14. Oktober 1918 vom Verband für Grabstätten der US-Streitkräfte auf dem von der 32. Infanteriedivision der USA (DIUS) belegten Terrain errichtet. Das Gebiet wurde den USA von der französischen Regierung auf Lebenszeit zugestanden, um dort eine dauerhafte Grabstätte zu errichten.

1922 wurden die auf den temporär genutzten Friedhöfen der Region Bestatteten sowie die Gräber aus den Vogesen und den von Deutschland besetzten Gebieten auf diese Grabstätte verlegt. Viele der in Archangelsk (Russland) Gefallenen wurden ebenfalls hier bestattet. Unter den Gräbern befinden sich 486 Grabstätten mit den sterblichen Überresten von Soldaten, die nicht identifiziert werden konnten.

Deutscher Soldatenfriedhof Cosenvoye. „Auf diesem Soldatenfriedhof ruhen 11148 Deutsche Soldaten 1914 – 1918“ lautet die Inschrift auf der Tafel am Eingang des deutschen Soldatenfriedhofs. Sie ruhen unter schlichten schwarzen Kreuzen im lieblichen Tal der Maas. Auf diesem Friedhof trafen sich am 22. September 1984 zum ersten Mal in der Geschichte der beiden Völker ein französischer Präsident und ein deutscher Bundeskanzler. Im weiteren Verlauf des Tages kam es dann zu dem berühmten Händedruck vor dem Ossuaire.

Der Friedhof wurde bereits von den Franzosen 1920 angelegt, um die vielen deutschen Gefallenen, die im Maastal, in und um Verdun und im Argonnerwald umkamen, auf einem zentralen Friedhof zu bestatten. Noch bis in den 2. Weltkrieg hinein wurden sterbliche Überreste von deutschen Soldaten aus dem 1. Weltkrieg hier bestattet. Man fand sie auf den Feldern und in den Wäldern der Argonnen, die wahrlich blutgetränkt sind. Ebenso wurden kleinere Soldatenfriedhöfe aufgelassen.

Abends im „Poivre Rouge“ lässt Kalla den Tag noch einmal an uns vorübergehen und zitiert aus seinem Fundus Zitate und Gedichte prominenter Teilnehmer an diesem Massaker wie Carlo Schmitt.

Sonntag, 28. September.

Morgenrunde mit Gedanken von Kalla. Da wir den Verlauf des Tages nicht überblicken können halten wir auch die Abschiedsrunde.

Die Zitadelle von Verdun.

Wir konnten bereits im Juni bei einer Vorfahrt die einzigen noch verfügbaren Plätze für eine Besichtigung reservieren: um 10.00 Uhr. Die Besichtigung findet in Gruppen von je 9 Personen statt, die in kleinen Wagen durch 15 Szenen geführt werden, die das Leben im Ersten Weltkrieg zum Teil sehr drastisch audiovisuell darstellen. So wurden wir während einigen Minuten mit dem während der seinerzeit tagelang dauernden Trommelfeuer beschallt und waren bereits nach dieser kurzen Zeit völlig entnervt. Nicht vorstellbar in welchem Zustand sich die Menschen seinerzeit nach den wochenlang währenden Bombardierungen befanden.

Der Bau der Zitadelle begann schon 1567 nach der Bastionsbauweise auf dem Saint-Vanne Felsen, erstreckte sich aber über mehrere Jahrhunderte bis zu seiner Fertigstellung. Der Festungsbaumeister Vauban (1633 – 1707), gestaltete den Bau weiter und noch Mitte des 19. Jahrhunderts arbeitete man nach seinen Plänen.

Nach dem die preußische Besatzungsmacht 1873 die Zitadelle verließ, wurden die Arbeiten, allerdings unterirdisch, zur Verstärkung weiter fortgesetzt. In den Jahren 1890 und 1893 wurden unter Kommandant Guinot 4 km unterirdische Gänge angelegt. 1914 wurden 4 Horchstollen angelegt und mit dem Stollensystem verbunden. Im dritten Kriegsjahr wurden Bäckereien geschaffen, Telefonzentralen, Lagerräume, Aufenthaltsräume und vieles mehr eingerichtet, um das Leben und Arbeiten zu erleichtern. Nun war Platz für mehrere tausend Menschen, unterschiedliche Quellen sprechen von 5000 – 10000 Personen.

Am 13. September 1916 wurde die Stadt Verdun in die Ehrenlegion aufgenommen und erhielt das Kriegsverdienstkreuz.

1916 wurde vorgeschlagen dass ein unidentifizierter französischer Soldat unter dem Arc de Triomphe de l’Étoile bestattet werden soll. Es wurde in jedem der festgelegten Frontabschnitte: Flandres, Artois, Somme, Marne, Chemin de Dames, Champagne, Verdun, Lothringen und Elsass ein nicht identifizierter französischer Soldat exhumiert. Am 09. November 1920 wurden die Särge nach der Zitadelle von Verdun transportiert. Aber nur acht Särge kamen an, da bei einem der Särge Zweifel auftauchten.
Am nächsten Tag überreicht André Maginot (Minister für Pensionen und Kriegshilfen) Auguste Thin, einem jungen Obergefreiten des Regiment d’Infanterie 132 einen Blumenstrauß mit den Worten: “Soldat, Sie werden diesen Blumenstrauß auf einen der acht Särge ablegen, derjenige ist dann der unbekannte Soldat (…). Dies ist die höchste Würdigung und sie ist nicht zu hoch, wenn es sich um den handelt, dessen anonymes Opfer und dessen übermenschlicher Mut das Vaterland, die Rechte und die Freiheit gerettet hat.” Der junge Soldat blieb vor dem 6. Sarg stehen. Der so auserwählte Leichnam fand seinen Platz als „Unbekannter Soldat Frankreichs“ unter dem Arc de Triomphe in Paris.

Nach der Besichtigung das Gruppenfoto vor der Zitadelle und der eigentliche Abschied.

Nachwort.

Es war dies das bei weitem emotionalste unserer bisherigen Treffen. Noch nie sind wir so mit Tod und Irrsinn konfrontiert worden, noch nie war uns die menschenverachtende Einstellung und die komplette Unfähigkeit der damals „führenden“ Militärs und Politiker so krass vor Augen geführt worden. Man hatte in diesen Kreisen bis nach dem noch katastrophaleren Zweiten Weltkrieg keine Lehren aus diesem Desaster gezogen und verkündete weiterhin die Mär der Erbfeindschaft zwischen den Völkern.
Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges verlagerte sich die Front durch die intensiven Luftangriffe direkt vor die Tür eines jeden einzelnen und liess die Bevölkerung Tod und Zerstörung am eigenen Leib erfahren. Womit die Begeisterung für weitere militärische Auseinandersetzungen schwand und die Idee eines Vereinten Europas Wirklichkeit wurde. Man stelle sich vor es wird Krieg und niemand geht hin!

Es hat mich viel Mühe gekostet diesen Bericht zu verfassen und ihn in Anbetracht meiner Abscheu vor den Verbrechen der damals verantwortlichen Persönlichkeiten gemäßigt zum Ausdruck zu bringen. Andererseits spreche ich denjenigen, die nach dem Zweiten Weltkrieg den Mut und die Weitsicht hatten unser jetziges Vereintes Europa zu schaffen und uns damit über 70 Jahre Frieden zu schenken meine uneingeschränkte Hochachtung und meinen tiefsten Dank aus. Ein Besuch von Verdun sollte allen „Euroskeptikern“ verordnet werden.

Karl Scherer hat durch seine Vorträge und Erläuterungen während des Treffens sowie seinen ausführlichen historischen Beiträgen zu diesem Bericht ganz wesentlich zum Erfolg des Treffens beigetragen. Hierfür herzlichen Dank. Desgleichen Hannes Enzinger für die ausgezeichnete Logistik.

Das nächste, also 29. Treffen wird stattfinden von Freitag, den 24. Bis Sonntag, den 26. April 2015 in der Eifel im Stiftsberg Bildungs- und Kulturzentrum, Kyllburg, in der Nähe von Bitburg und Spangdahlem. Wir werden den Naturpark Eifel mit seinen Maaren erkunden.

François

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