Ein Wochenende im Schatten der Veste

– 24. Treffen der Region West in Coburg 2012

 
Sammelbild CoburgEs schüttete an diesem Freitag den 25. Oktober 2012 auf die 31 Altpfadfinder, die sich in Coburg einfanden um ihr 24. Regionaltreffen West zu begehen. Und es sollte noch übler werden, als am Samstag ein „wunderschöner“ Neuschnee das Coburger Land einhüllte und ein sturmartiges Wehen alldiejenigen, diesich auf die bereits Klassiker gewordenen regionaltrefflichen Sonnenscheintage verlassen hatten, um ihre daheimgelassene Winterkleidung trauerten.  Hannes suchte krampfhaft nach einem Schuldigen. Genug von diesem Thema außer dass sonntags die Sonne strahlend auf die Veste schien und das Frieren erträglicher machte. Und auch Hannes erstrahlen ließ.
Das Luxemburger Kontingent war bereits vor Ort als man sich freitagnachmittags auf dem historischen Marktplatz traf um von Kusch begrüßt und in ihre Heimatstadt eingeführt zu werden. Coburg beeindruckt durch seine Verflochtenheit mit einer Reihe von europäischen Königshäusern welche die Architektur der Stadt maßgeblich beeinflusst hat, jedoch auch mit einer Fülle von mittelalterliche Prunkbauten der verschiedensten Baustile.

Vorab hatte sich Euer Chronist im Gasthaus Fink, unserem hervorragenden Quartier, eine Stärkung zu Gemüte geführt begleitet von einer glutäugigen Domina, der er von da an treu bleiben sollte. Um jedem Missverständnis vorzubeugen: die Domina ist ein aus einer Kreuzung von blauem Portugieser und Spätburgunder gezeugtem Rotwein, der hervorragend mundet und zu der deftigen Coburger Küche passt.

Abends dann auf Einladung der Coburger Gilde Gildesprecherin Heike Müller ( Kusch ) im Pfadfinderhaus am Fuß des imposanten Schlosses Callenberg die berühmte Coburger Bratwurst und andere lokale Schmankerl. Das Pfadfinderhaus befindet sich in der ehemaligen Schlossgaststätte. Im großen Saal mit imposantem Kamin und Wandmalereien bewirteten uns die Coburger Gilde bei Gesang und Musik. Elke Obenauer referierte über Coburg und sein Netzwerk in höchstadligen Kreisen. klein, aber feinst. Ein zünftiger Gildenabend der allen sehr zu gefallen schien. Und in der Gaststube des Finken Fortsetzung fand. Besonders die musikalische Selbstdarstellung der Coburger erhielt viel Applaus. Sehr beachtenswert war der Vortrag von Alexander Müller über die Aktivitäten der Gilde. Insbesondere die verschiedenen vom Förderkreis betriebenen Häuser und Zeltplätze beeindrucken und vermitteln das Bild eines kleinen Pfadfinderkonzernes.

Samstags dann im Schnee Morgenrunde mit Gedanken Watos zu Thema Mut. Als erstes die Besichtigung der prachtvollen Barockbasilika Vierzehnheiligen. Diese wurde über dem Ort gebaut, an welchem dem Schäfer Hermann Leicht aus Langheim dreimal das Christuskind erschienen war und sich in Folge Wunderheilungen ereigneten. Die Basilika wurde von 1743 bis 1772 von dem berühmten Architekten Balthasar Neumann erbaut. Die Fassade ist im spätbarocken, die Innenarchitektur im Rokoko Stil ausgeführt. Aufgrund einer ursprünglichen Fehlplanung wurde zusätzlich zu dem Hochaltar ein prunkvoller Gnadenaltar in die Mitte der Basilika erstellt, damit die Stelle, an welcher die Erscheinungen stattgefunden hatten, besonders gekennzeichnet wurde. Der Eindruck beim Betreten der Basilika ist überwältigend. Zusätzlich zu den verspielten Rokoko Verzierungen kamen noch die zum Erntedank ausgelegten Früchte des Ackers, zu denen natürlich ein zünftiges Bier nicht fehlen durfte. Höhepunkt war eine Vorführung der mächtigen Rieger Orgel mit ihren 89 Registerzügen durch den Basilikaorganisten.

Als nächstes das ehemalige Benediktinerkloster Banz, das seit 1978 im Besitz der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung ist und als Tagungsstätte dient. Das Kloster wurde um 1070 gegründet und musste etliche Male durch Kriegsschäden neugebaut werden. Es konnte nicht besichtigt werden. Die Kirche ein Musterbeispiel des süddeutsch-böhmischen Barocks zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Der Innenraum der Kirche ist nicht eckig erbaut, sondern besteht aus vielen ‚geschaukelten‘ Ellipsen. Das besonders sehenswerte Chorgestühl überrascht mit reichen Intarsienfeldern. Die Kirche enthält drei Orgeln, die Hauptorgel der Westempore, die Chororgel auf der linken Seite des Mönchschors und die Winterchororgel. Vor dem Kloster haben Buben einen monumentalen 1 Meter dicken Schneeball gerollt!

Mittagessen in Seßlach, auch „Klein Rothenburg“ genannt. Die Altstadt von Seßlach wird noch nahezu vollständig von ihrem spätmittelalterlichen Mauerring umgeben. Die drei Tortürme haben sich erhalten. Die Befestigungsanlage entstand im 14./15. Jahrhundert und wurde im 16. und 17. Jahrhundert ausgebaut. Vor dem Rothenberger Tor ergänzt eine barocke Bogenbrücke das historische Ensemble.

Neben zahlreichen Wohn- und Wirtschaftsbauten des 16.-18. Jahrhunderts prägen die repräsentativen bischöflichen Amtsbauten und der Gülthof des Würzburger Juliusspitals das Ortsbild. Einige Häuser im „Heimatstil“ des frühen zwanzigsten Jahrhunderts wurden nach dem großen Stadtbrand von 1905 errichtet.

Die spätgotische Staffelhalle der katholischen Stadtpfarrkirche wurde im 18. Jahrhundert barockisiert. Von der älteren Ausstattung sind besonders einige RenaissanceEpitaphien der Familie von Lichtenstein und ein spätgotischer Flügelaltar hervorzuheben. Gegen 14.00 Uhr Aufruhr bei den Autofahrern: die Stadttore werden geschlossen und wer sich dann noch in der Stadt befindet muss sich mit 30.- Euro „befreien“ lassen. Rette sich wer kann!

Als nächstes überraschte Staffelstein durch eine Reihe monumentaler Fachwerkgebäude. Berühmtester Sohn der Stadt ist Adam Ries, fälschlicherweise Adam Riese genannt. Er war ein deutscher Rechenmeister der durch sein Lehrbuch Rechenung auff der linihen und federn…, bekannt wurde (….laut Adam Riese) das bis ins 17. Jahrhundert mindestens 120-mal aufgelegt wurde. Er gilt als der Vater des modernen Rechnens und hat entscheidend dazu beigetragen, die unhandlichen römischen Zahlenzeichen durch die nach Stellenwert strukturierten indisch-arabischen zu ersetzen. Kaffeepause im Stadtcafé mit ganz hervorragender Kuchenauswahl.

Wegen des immer noch sehr schlechten Wetters vorzeitige Rückkehr ins Quartier wo abends das gemeinsame Abendessen stattfand. Euer Chronist genoss ein Karpfenfilet mit Butter-Meerrettich Sauce und Gemüse – so hervorragend dass er gerne auf die Domina zugunsten eines Rieslings verzichtete. Eine andere anwesende  Gruppe bereitete uns wegen des anschließenden Singens Sorgen, der uns ein kleiner Bub, der aufs ausführlichste zu Brüllen anfing, enthob indem er die Gruppe motivierte, fluchtartig das Lokal zu verlassen. Elke Obenauer referierte über Land und Leute und Geschichte der Region. Man sang, man trank guten Wein und beschloss do?? einen zwar recht kalten, aber doch ereignisreichen Tag.

Sonntags strahlender Himmel. Auch Hannes strahlte. Kühle Morgenrunde mit Watos Gedanken. Dann ein weiterer Höhepunkt: die Veste. Die Veste Coburg (auch Fränkische Krone genannt) überragt die Stadt Coburg und ist eine der größten Burganlagen Deutschlands. Sie zählt zu den am besten erhaltenen. Die Burg liegt 167 m über dem Stadtzentrum auf einer Höhe von 464 m über dem Meeresspiegel. Am Hang des Burghügels erstreckt sich in Richtung Stadt der Coburger Hofgarten.

Die Veste Coburg wurde in ihrer Geschichte niemals erobert, allerdings wurde sie im Dreißigjährigen Krieg im März 1635 durch den General von Lamboy nach fünfmonatiger Belagerung mit Hilfe eines gefälschten Briefs, in welchem Herzog Johann Ernst die Übergabe befahl, eingenommen.

Besichtigung der umfangreichen Sammlungen. Die Kunstschätze der Coburger Herzöge, die zu den bedeutendsten kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlungen Deutschlands gehören, wurden in die Coburger Landesstiftung übertragen. Es sind die Gemälde und Skulpturensammlung, das Kupferstichkabinett, die Glassammlung mit

etwa 2700 kostbaren Gläsern, das Münzkabinett mit etwa 20.000 Exemplaren, die Rüstungs- und Waffensammlung sowie die Prunkwagen und Turnierschlitten. Sehr interessant und sehr ermüdend.

Zum Abschluss ein Blick von der Bastion auf das thüringische Land. Hier wird einem bewusst wie sehr Coburg zu Zeiten der Zonengrenze eingeschnürt war. Abschlussrunde auf dem Vorplatz. Mittagessen in der Schloßschänke mit zünftigen bayrischen Schmankerln.

So fand ein weiteres hochinteressantes und ereignissvolles Treffen ein Ende und den Organisatoren Kusch von der Gilde Coburg und ihren Helfern, Elke Obenauer und, last but not least, Hannes Enzinger, sei ein großes Lob ausgesprochen und ein herzliches danke schön

Das nächste Treffen wird vom 19.04 – 21.04.2013 auf Wunsch vieler Teilnehmer in Saarlouis stattfinden.

François

 

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